Die Frage, die du bestimmt kennst: „Du hast Obsidian oder irgendein anderes Notiztool, also wozu brauchst du dann noch Papier?“ Die ehrliche Antwort lautet: weil beides völlig andere Jobs erledigen…
Ich habe in einer gesundheitlichen Lebenskrise bemerkt, dass es für mich besser ist, nicht 100% digital zu werden. Also habe ich überlegt, was mir helfen könnte. Nach einer kleinen Internetrecherche habe ich meinen ersten Weekview-Kalender aus Papier bestellt und anschließend das Bullet Journaling für mich entdeckt.
Dabei bin ich bis heute geblieben, genau wie abends bei den Einträgen in mein 5-Jahres-Journal, was ich mittlerweile im 10. Jahre ununterbrochen führe.
Obsidian ist mein zentraler Speicher
Obsidian ist mein zentrales digitales Tool, hier werden die Enden zusammengeführt. Es ist mein sogenannter Langzeitspeicher oder Second Brain. Hier denke ich, vernetze meine Ideen und finde bei Bedarf alles mögliche wieder, was ich irgendwann archiviert habe.
Es ist das Gehirn, dass nie vergisst. Ich speichere Buchnotizen, Berichte über Arzttermine, private Projekte und alles, was verlinkt werden soll, weil ich es später in irgendeinem Zusammenhang wiederfinden möchte.
Es ist einfach, es ist kostenlos und die Dateien sind super zukunftsfähig, weil ich diese mit jedem anderen Notiztool öffnen kann.
Nicht ohne mein Bullet Journal
Mein Bullet Journal hilft mir vor allem dabei, meinen Tag und meine Woche zu überblicken. Ich kann diese kurzen „Einheiten“ besser planen, wenn ich alle Aufgaben per Hand festhalte. Denn dann ist der Platz auf einer Seite stark begrenzt und ich muss priorisieren, was heute wirklich wichtig ist.
Digital funktioniert es für mich nicht so gut, da bin ich meistens von einer Fülle an Aufgaben überfordert, die gleichzeitig auf mich warten. Daher muss ich irgendwie mein Adlerauge auf heute richten. Meine Handschrift zwingt mich zur Entscheidung, was wirklich wichtig ist.
Natürlich arbeite ich auch mit verschiedensten digitalen Tools, um Aufgaben und Termine nicht zu vergessen. Aber ich schreibe eigentlich alle meine Termine und zumindest die wichtigsten Aufgaben täglich in mein Bullet Journal, das immer geöffnet neben meiner Tastatur oder meinem Laptop liegt.
Häufig schlage ich erst mein Notizbuch auf, bevor ich den Rechner starte. Das gibt mir einen gewissen Fokus.
Am Abend mache ich zudem eine kurze Vorschau auf den nächsten Tag, was mich besser schlafen lässt.
5-Jahres-Journal: mein handschriftlicher Tagesabschluss
In dem Zuge hole ich mein 5-Jahres-Journal heraus. Hier habe ich keinerlei Planung, aber auch keine Struktur. Ich schreibe einfach 2-3 Sätze pro Tag auf, die den Tag für mich einmalig gemacht haben. Meistens sind es die kleinen Erinnerungen oder Anekdoten, mit denen ich in Zukunft schnell wieder in diesen Tag eintauchen kann.
Es ist mein bewusster Abschluss des Tages „offline“ mit einem Füller und echter Tinte. Oft hole ich mein Journal am Abend heraus und notiere meine Gedanken auf unserem großen Wohnzimmertisch oder der Terrasse. Wenn ich mal einen Abend ausgelassen habe, trage ich die Notiz am nächsten Tag nach.
Falls ich ein paar Tage, wie bei einer mehrtägigen Hüttentour vor zwei Jahren, mein Journal aus Platzgründen nicht dabei habe, dann nutze ich Obsidian für meine temporären Notizen, die ich dann später handschriftlich übertrage.
Darum brauche ich beides
Digital denke und vernetze ich, während ich analog fühle und innehalte. Diese beiden Zustände konkurrieren nicht. Sie gehören für mich zueinander wie Tag und Nacht. Denn Obsidian ist mein Archiv und Papier mein Anker für den Tag.
Ich möchte beide Zustände aktuell nicht missen und kann mir nur schwer vorstellen, auf eines der beiden zu verzichten, weil sie sich beide gut ergänzen.
Für wen das funktioniert und für wen nicht
Aber eins ist klar – ich denke nicht, dass dieses Konzept aus beiden Welten für jeden funktioniert. Für mich ergänzen sich beide dagegen perfekt.
Ich speichere und vernetze meine Gedanken und Ideen in Obsidian. Tagsüber beherrsche ich meinen Alltag in meinem Bullet Journal, setze glasklare Prioritäten und nutze dieses für meine wöchentliche sowie monatliche Planung.
Es fällt mir dadurch leichter, meinen nächsten Tag schriftlich zu planen und vor dem Einschlafen für ein besseres Gefühl zu sorgen, dass ich morgen nicht im Chaos starten werden.
Tipps
Womit kannst du gleich jetzt starten? 3 Tipps auf die ✋
- Starte den Tag mit Papier, nicht mit dem Bildschirm: Schreibe deine drei wichtigsten Aufgaben für heute auf und lege diese Notiz neben deine Tastatur.
- Gib jedem Tool einen klaren Job: Nutze Obsidian als langfristigen Speicher und verwende Papier für alles, was heute zählt.
- Schließe den Tag analog ab: Schreibe 2–3 Sätze abends per Hand auf. Schreibe einfach drauf los, woran willst du dich morgen erinnern?


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